Als Sowjetagent enttarnt

Ich hatte es gut gemeint. Um meine Eltern nicht unnötig zu ängstigen und um unangenehmen Diskussionen aus dem Wege zu gehen, hatte ich ihnen verschwiegen, daß ich an einer Solidaritätsreise nach Vietnam teilnehmen wollte. Anfang 1973, als der Krieg noch längst nicht zu Ende war, reiste ich mit einer Handvoll linker Mitstreiter nach Hanoi. Es war ein ziemlich abenteuerlicher... mehr...

Angesichts der schlanken Anna

Auf Helgoland war es über Nacht Herbst geworden. Ein rauher Nordwest pfiff um die Insel, und ein Schauer jagte den anderen. Auf dem Oberland hatte ich das Gefühl, der einzige zu sein, der den Rundgang entlang der Klippenkante gewagt hatte. Ich genoß es, Wind und Wetter zu trotzen, und das Rauschen und Donnern des Meeres war Musik in meinen Ohren.... mehr...

Asan in Dakar

Unsere Zuneigung füreinander stammte noch aus der Zeit vor der sexuellen Revolution. Sie blieb darum platonisch und konnte so Zeit und Raum überdauern. Im internationalen Studentenheim, in dem Fatou und ich nur durch einen Flur getrennt wohnten, lernten wir uns kennen und lieben. Wir gingen zusammen an der Elbe spazieren - wenn es kalt war, lieh ich... mehr...

Audienz beim geheimen Rat

Klar, daß mir die Knie zitterten. Aber da ich mich ohnehin auf dem schwankenden Boden des Traums bewegte, hoffte ich, daß meine mangelnde Standfestigkeit nicht weiter ins Auge fiel. Immerhin brauchte ich nicht länger warten, bis die Tür geöffnet und bis ich zum Geheimen Rat vorgelassen wurde. Er saß gelassen im Schneidersitz... mehr...

Aus dem Innenleben der blauen Moschee

Es war bald nach dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran. Von Persien her wehte ein schärferer Wind, und in der Moschee an der Alster wurde Imam Razvi dringend ermahnt, er möge den Frauen, die in seine Koranstunde kommen, wenigstens ein Koptuch vorschreiben. Der Imam zeigte sich kompromißbereit. Wer es möchte, der soll... mehr...

Der Anruf in der heiligen Nacht

Die Geschenke waren verteilt, die Lichter am Tannenbaum abgebrannt, der Braten war verdaut. Ich lag längst im Bett und schlief den Schlaf des Gerechten. Mitten in der Heiligen Nacht klingelte das Telefon. Am Apparat war eine Kinderstimme, hellwach, mit fremdem Akzent. "Frohe Weihnacht", rief die Stimme. "Wer ist da?" "Hier spricht Sarah", sagte das Mächen am anderen Ende... mehr...

Die Gräte im Hals

Einer meiner berühmteren Kollegen unter den Hamburger Literaten feierte seinen sechzigsten Geburtstag. Da ihm zugleich ein renommierter Literaturpreis verliehen worden war, wurde die Feier im Literaturhaus an der Alster zu einem kulturellen Event ersten Ranges. Freunde und Verehrer des Autors waren von nah und fern gekommen, um den Jubilar zu ehren. Mitten zwischen all den hochgelobten... mehr...